S – Klasse – Suche im Heuhaufen

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Zu den morgenlichen, menthalmoralischen Übungen eines angehenden Motor – Journalisten wie auch eines Motor-Bloggers, der vom wichtigsten auf der Welt für ihn, seinen Lesern, ernst genommen werden möchte, sollte es gehören, gleich anfangs auf Maximaldistanz zu den (“120-seitigen”) Pressemitteilungen von Automobilfirmen zu gehen, in denen diese mit denglischer Wortgewalt ihre neuen Modelle hochlobhudeln. Fabian Mechtel,  der mir bis vor einigen Tagen unbekannt war, schrieb als einer der an einer Hand abzählbaren Autoblogger Dieter Zetsche grade folgendes mit der Knute auf den Pelz:

“So wühlt man sich durch dreistellige Seitenzahlen – nein, nicht das neue Shades of Grey (auch wenn die Farbkarte Parallelen aufweist), sondern nur die Pressemitteilung zur neuen S-Klasse und fragt sich am Ende: wo ist denn jetzt der wirkliche Fortschritt versteckt? Also der echte Fortschritt. Nicht das Software-Update im Interieur und die nun stereokameragestützte Radareinheit an der Front. Auch massierende Sitze, multikolorierbare Christbäume in den Armaturen und Türen nicht. Der gegossene Fortschritt. Die Symphonie aus Metall. Das Herz jedes Automobils..”

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Und weiter gehts auf der Suche nach dem “Besten” und der Nadel im Heuhaufen

“Es gibt ihn nicht. Man ist gerade über die EU6-Hürde gesprungen. Hat den alten Aggregaten einen dickeren Korken verpasst und ein wenig die Kennfelder darauf angepasst. Selbst das Getriebe ist noch der alte Siebengang-Wandler. Das Beste? Irgendwie nicht..Das soll es sein? Das beste Auto der Welt? Wir würden eher sagen es ist das zielgruppenorientierteste Auto. Und wir gehören nicht mehr zur Kernzielgruppe…”

Hoffe niemand, so etwas im gedrucksten Motor – Journalismus zu finden, solch starken Stoff gibt’s nur auf freier Wildbahn, also in den Blogs. Zumindest…

“…Stolz können die Mercedes-Leute auch auf die enormen Gewinne sein, die das Flaggschiff einfährt. Zwar entfallen nur sechs Prozent der Mercedes-Auslieferungen auf die S-Klasse, doch zum Gesamtprofit des Konzern trägt sie nach Schätzungen von Analysten mindestens 15 Prozent bei. Der Bruttogewinn jedes verkauften Wagens, davon sind Branchenexperten überzeugt, beträgt 40 bis 50 Prozent…”

Nur ist das halt kein noch lange kein Beweis für kluges Management und vor allem eine bodenlose Frechheit, angesichts von Hungerlöhnen am Fließband.

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“Vermögende Menschen in Unwettern, Kälte, Gestank und Dreck”

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“…Auspuffrohre und Ölwannen werden heiss, Dichtungen reissen, Leitungen brechen und manche rutschen auf dem Nass in die Strassengräben: Das gehört dazu.” “Man drängt sich eben zusammen, denn kalt ist es draussen und sicher auch nicht warm in den Fahrzeugen, die in einer Epoche gebaut wurde, die als Klimaanlage eher undichte Auspuffrohre verstand. Damals, so zeigen es Schwarzweissbilder jener Epoche, die wir legendär nennen, schwappte man die Giftstoffe mit Wein runter und versiegelte das Lungenelend mit filterlosen Zigaretten, die man neben dem Einfüllen der Treibstoffe rauchte, denn zu der Zeit gab es auch noch keine Rentendebatten in TV – Talkshows…”

Zwei Beiträge von Don Alphonso über die Mille Miglia 2013 dürften der Grund dafür sein, dass bei der FAZ die Blogger nicht nur von mir viel, viel mehr gelesen werden, als die ach so sprachunmächtigen Motor-Blogger, die sich momentan  reihenweise über die 120 – seitige Pressemitteilung zur neuen S – Klasse hermachen.

“Intelligent Drive”, “Efficient Technology” und “Essence of Luxury” sind die Schlagbegriffe, mit der die Daimler Benz AG die neue S – Klasse anpreist. Sie passen zum neuen Werbeslogan wie die Faust aufs Auge: „Das Beste oder nichts.″

Die für diese Kommunikationsunfälle verantwortlichen Daimler-Manager müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie derlei plattgewalzte Superlative überhaupt für nötig halten. Denn die „besseren Kreise″, die einst die Stammklientel des Unternehmens mit dem Stern bildeten, sind jahrzehntelang gut gefahren und das ohne derlei Unterschichtsprosa.

Dazu passt auch der zweite Beitrag von Don Alphonso mit ebensolcher, toller Bilderstrecke über die schönen, alten Autos in besserer Gesellschaft:

“Sicherheit und Vorsicht gehen vor. Was? Hubraum und PS aber auch. Nichts. Leben Sie wohl, Herr Doktor, und viel Spass mit Ihrem Digital Driving Assistent.”

Und morgen hoffentlich einen sonnigen Pfingstmontag für Euch alle.

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Betteltour von Spon, FAZ und anderen mehr

13.05.14SponAdblocker

Wenn ich bis gestern Morgen relativ zufriedener Besucher der Onlineangebote von Spon, FAZ und Süddeutsche war, sehe ich in der offensichtlich abgesprochenen Aktion der sogenannten Qualitätsmedien zeitgleich die Bettelbriefe zu veröffentlichen, ab heute ein Paradebeispiel für die Hilflosigkeit der Medien gegenüber der digitalen Entwicklung und dafür, den ehe schon angekratzten Ruf weiter zu ruinieren.

“Ich kann die pekuniären Sorgen der Verlage gut verstehen, welcher Anzeigenkunde zahlt schon für Werbung, die jeder im Voraus schon vor die Tür jagt. Ja, ich würde den ‘Angeboten’ vielleicht sogar Gastrecht gewähren, wenn nicht die Gefahr bestünde – wie just einer Warnung des ‘Spiegel’ in eigener Sache zu entnehmen – dass all dies Blinkyblinky auch allzu neugierige Trojaner enthalten könnte: Einmal mit der Maus ausgerutscht, schon kannst du deinen Rechner plattmachen…”

Genau, der kluge Mann baut vor. Ach ja, und übrigens meine Herrn Spon-Selbstüberschätzungs-Contentabschreiber, Euer Geschichtchen über den wieder aufgetauchten 1955er Chrysler New Yorker von Ernest Hemingway, stand auch schon vor 4 Wochen im Netz,  inklusive dem Filmchen dazu.

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