Die Diktatur der Distinktion

Misery-Fuck

“Für Kokain und Crack gibt es Suchtkliniken, aber am gehobenen Hausrat leidet man rettungslos das ganze Leben (Don Alphonso; FAZ)”

Es ist so wie mit den im Zirkus Handstand machenden DeppenElefanten. Wie gnadenlos sich manche der von PRolls, Scheinexperten und Auktionshäusern kostenlos verteilten Droge “Distinktion” ausliefern, begreift man erst, wenn man liest, wie jemand in Pepple Beach 825.000 US-$ für einen Haufen E – Schrott hinblätterte, mit grade mal schlappen 30 Kilometern Reichweite, für die es um die Ecke fünf solcher sich die Reifen plattstehenden Kisten zu kaufen gegeben hätte.

Schönes Wochenende… und bleibt tapfer, Freunde.

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Aus dem Museum für Automobilgenuss

TER10

Vergesst Flügeltürer, Spaltmaße, Oldtimer – Indizes und luftentfeuchtete Garagen: Sozialprestige (weil 100 % emissionsfreie Mobilität), ultimativen Wertzuwachs (nur noch wenige Hundert vorhanden – “gefühlte” 50 % pro Jahr) und totalen Ganzjahresspaß bringt die Reichsautobahnfahrt im Wohnzimmer.

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Rezension “Pagoden für Dummies”

Pagoden für Dummies - 2

“Stimmt die Fahrgestellnummer mit der vierstelligen Nummer auf der Motorhaube überein, handelt es sich um das Originalteil…”   “Kein Anschluss ohne Nummer. Der fehlende Verweis lässt auf ein Unfallauto schließen….”

Ach ja, Christian Jancke? Dann sind der Ferrari 250 GTO, der jüngst für den für den Rekordpreis von 30 Mio. Dollar vertickert wurde und der vor seiner Wiederherstellung nur noch ein Schrotthaufen war, und von dem kaum mehr als noch die Hinterachse und das Getriebe übriggeblieben waren, genau so wie die Pagode, bei der in den 80er Jahren zeitwertgerecht der Rempler den Austausch der Seitentür erforderlich machte, eigentlich alle wertlose Blender, die in die Tonne getreten gehören?

So rappelt das wortgewaltig und intelligenzbefreit weiter vor sich hin, bis die Zeilen sich biegen…

“Eine sachgemässe Restauration bei einem ordentlichen Fachbetrieb kostet 100.000 Euro – mindestens. Rund 150.000 Euro können dann für einen sehr guten Mercedes-Benz 230-280 SL (Pagode) erzielt werden…”

Na, da sind dann aber hoffentlich die dabei verbrauchten Putzlappen mit darin enthalten.

“Weil das Einpassen von Motorhaube und Türen seinerzeit mit besonderer Sorgfalt geschah, tragen die die Fahrgestellnummer, besonders auffällig oben links in der Aluhaube. Ist die Zahl nicht zu sehen, ist das ein schlechtes Zeichen. Alu rostet nicht. Da bleibt nur die Frage nach einem Unfallschaden. Auf den können auch unregelmässige und zu große Spaltmasse (Abstand zwischen Haube und Karosserie) hindeuten..”

Ha, entlarvt:

“Bei einer Veranstaltung in Hamm zeigten Christian Nikolai von Ostendorf Classic und Marc Urban von Classic Data anhand von zwei Exemplaren, welche Pferdefüße den potenziellen Käufer erwarten…”

“Für jeden ollen hirnverstiegenen Mist gibt’s eben einen, der’s wieder in Tinte pisst”. Demnächst dann im großen Schleichwerbe Classic – Index – Öchsperten – Theater der PS – WELT, Eberhard Thiesen erläutert uns, was beim Kauf eines Oldtimer – Ferraris zwecks Vermeidung des Totalreinfalls zu beachten ist, Bernhard Schad klärt uns über Fallstricke in den Rechnungen für Oldtimer – Restaurierungen auf, ach ja, und Robert Nolte verrät angehenden Oldtimer-Reparateuren uns, auf was im Beweisverfahren zu achten ist, wenn nach einer Motorkaputtüberholung durch Dusseligkeit, schon nach 270 Kilometern der ganze Motor auseinanderfliegt.

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“Wenn bei Capricorn die rote Sonne im Meer versinkt…”

CONVAR7283 - 500

„Der Nürburgring schlingert in die nächste heftige Krise: Der Käufer der Rennstrecke, der Düsseldorfer Unternehmer Robertino Wild, ist offenbar in finanziellen Schwierigkeiten…“ „Seine Gesellschafteranteile am Ring sind an einen Treuhänder übertragen worden, seine Villa und eine Gemäldesammlung hat er mehrfach beliehen. und er sucht nach neuen Geldgebern…“

Ob Robertino Wild, der Käufer des insolventen Nürburgring, heute Morgen den Caprifischer  auflegte?… wohl kaum. Ihn, den Möchtegernganzgroß, nur einen größenwahnsinnigen, geschäftsunfähigen Hochstapler zu nennen, wäre nicht angemessen. Ich sehe da bei ihm schon etwas mehr einen Eingehungstatbestand.

Wie ein Martin Halder oder Gerhard Gribkowsky – unzählige, an dieser Stelle nicht aufgeführte Zeitgenossen mögen es mir nachsehen – gibt uns Robertino Wild nur einen dankenswerten Einblick in jene irreale WahnGedankenwelt, in der nicht wenige unserer  distinktionssüchtigen Funktionseliten leben.

CONVAR7286

Kopfkratz. Vermögen und Unvermögen bleiben eben uralte Feinde. Hauptsache, am Nürburgring geht es weiter, so oder so.

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P.S. Falls mir persönlich bekannte Leserinnen oder Leser dieses Blogs sich zu jenen ‘Eliten’ zählen, die sich heutzutage doch vornehmlich durch Blindheit gegenüber und konsequentem Versagen in gesellschaftsrelevanten Fragen auszeichnen, dann möge sie (oder er) diesen Blogbeitrag schlicht ignorieren.

 

Zettelkasten 13.10.2014 II: Heute hebe ich einen Benz

14.10.12 FFM-500

“Alte Benze und Zille – Weiber, sind  schöne Montagabend – Zeitvertreiber”

(Und dann wäre da heute noch das: Am letzten Freitag, ein Bekannter vom Pagoden – Club auf Durchreise. Vollgetankt bis an den Rand bemerkt er, wie unter der optisch wie technisch eigentlich State of the Art – Pagode Benzin auf den Boden läuft. Diagnose: undichter Benzinschlauch. Also, er, zunächst Hilferuf an ein wertes Mitglied des Pagoden – Clubs in meiner Stadt, ob dieser nicht einen Wagenheber hätte, um das Schläuchelchen zu wechseln. Harsche Antwort: No, rufen sie doch gefälligst den ADAC an…

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Also noch spät am Samstag Abend meinen 2,25 Tonner aus der Garage geholt und ausgeliehen. Echt nette Überraschung  heute Morgen. Er hatte er ihn schon wieder zurückgebracht… und heute Abend hebe ich auch einen Benz).

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Zettelkasten 13.10.2014: Strolche unter sich

14.10.11 FFM 012-500

Eine Type wie Bernie Ecclestone würde im Licht des hell erleuchteten Leuchters im Foyer eines feudalen Frankfurter Hauses ehrenwerter Großbürger um Einlass bittend, wie in dem eines meiner ältesten Freunde, in 3. Generation und nur wenige Schritte vom Mainufer und Frankfurter Städel – Museum entfernt, keinen Schritt weiter über die Schwelle ins Private hinaus, machen dürfen. Aber der Teufel scheisst bekanntlich immer auf den größten Haufen.

Kurzum: “Erst kommt das Fresse, dann die Moral” oder Geld fließt immer zum Geld – das ist schlicht die Wahrheit in einer Welt wie heute auch die des Motorsports, die nur noch auf Zins und Rendite erbaut ist und in der Idealisten wie Mike Frison so schwer zu finden sind, wie die Nadel im Heuhaufen.

Es ist echt nicht zu verstehen, dass diese Type in Bayern davonkam, ohne mal längere Zeit Gefängniskost geniesen zu müssen

So nicht meine Herren Koberer der Formel 1 – Amüsierbars. Ergo schleiche ich mich zukünftig daran vorbei.

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